Ein unglaubliches Material

Die Herstellung einer Kiteleine beginnt so gut wie immer am selben Ort: Und zwar dort, wo das Rohmaterial hergestellt wird: die Dyneema-Faser. Der niederländische Chemiekonzern DSM hat das Verfahren zur Herstellung dieses Materials entwickelt und patentiert und ist somit Zulieferer für so gut wie alle Leinenhersteller im Kitebereich. Hinter dem geschützten Begriff Dyneema verbirgt sich ein Polyethylen, das durch ein spezielles Spinnverfahren zu einer Faser verarbeitet wird. Genauere Angaben über dieses Verfahren wollte man uns bei DSM nicht geben. Jedenfalls erhält das Material durch die Verarbeitung besondere Eigenschaften. Die Faser ist sehr glatt und abriebfest. Die Dichte ist etwas geringer als die von Wasser, weshalb das Material schwimmt. Auch saugt es sich nicht voll, was für uns als Kiter beides auf jeden Fall von Vorteil ist.

Da Dyneema sehr unempfindlich gegen Chemikalien ist, kann es selbst nicht eingefärbt werden. Kitesurfleinen sind daher nie durchgefärbt, sondern höchstens beschichtet (gecoatet). Daher wird eine Kiteleine im Laufe ihres Gebrauchs immer etwas verblassen. Die größte Besonderheit ist jedoch ohne Frage die Zugfestigkeit von Dyneema, bei einem sehr geringen Eigengewicht. Man spricht von einer hohen Reißlänge. Reißlänge bezeichnet bei einem Material die Länge des Fadens, den man theoretisch bei Erdanziehung aufhängen könnte, bis er durch sein Eigengewicht reißt. Während Stahl und Seide gerade mal eine Reißlänge von 50 Kilometern haben und es eine Glasfaser auf immerhin 160 Kilometer bringt, schafft es Dyneema auf stolze 300 Kilometer. Ganz klar, wir Kitesurfer sind eher die kleinsten Abnehmer für dieses Material. Neben allen Möglichen Leinen, Seilen, Tauen und Angelsehnen werden auch hochfeste Laminate oder gar Motorradhelme und Kugelsichere Westen aus Dyneema gefertigt.